


Lernort Garnisonkirche Potsdam ©Die Garnisonkirche Potsdam, 1730–1735 erbaut, 1945 schwer beschädigt und 1968 abgerissen, war für über 200 Jahre ein wichtiger Symbolbau und soll nun – in Teilen oder in Gänze – wieder errichtet werden. In der ambivalenten Geschichte Preußens repräsentiert sie dessen problematische Seite: Sie steht nicht für Aufklärung, Emanzipation und Liberalität, sondern für Dynastie und Gehorsam, sie steht nicht für Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung, sondern für Expansionsstreben und Machtanspruch, sie steht nicht für Bildung und Wissenschaft, sondern für Militär und Staatskirche, sie steht nicht für den demokratischen Freistaat Preußen der Weimarer Epoche, sondern für die antidemokratischen Kräfte des Deutschen Reichs.
Im Kontext der Debatte um den Wiederaufbau der Garnisonkirche wurde 2001 von einem Teil der Befürworter die Idee eines „Lernorts“ deutscher Geschichte in die Diskussion eingebracht, um den Wiederaufbau zu begründen. Doch bis heute wurde dieses Konzept nicht mit Leben gefüllt. Dieser Mangel besteht in doppelter Weise. Zum einen baulich: Im Rahmen des Nutzungskonzepts für den wiederaufgebauten Kirchturm stehen als Ausstellungsfläche für den Lernort lediglich 220 qm netto von 3 Meter Höhe auf einer abgelegenen Zwischentage (3. OG) zur Verfügung. Dies sind keine 20% der 1200 qm Gesamtnutzfläche. Im Vordergrund stehen die touristische Nutzung (Aussichtsterrassen, Café, Shop) und die Kapelle (zentral im Erdgeschoss platziert, 8,5 Meter hoch). Zum anderen inhaltlich: Ein Konzept für den Lernort will die Stiftung Garnisonkirche erst 2021 vorlegen und somit 13 Jahre nach ihrer Gründung und vier Jahre nach Baubeginn. Die bisherige Darstellung der Kirchengeschichte seitens Stiftung und Fördergesellschaft sind inadäquat. Sie sprechen zwar von einer wechselvollen, ja auch zwiespältigen Geschichte. Gleichwohl stelle die ehemalige Kirche ein „nationales Tafelsilber“ dar. Der Ort stünde „für christliches verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und preußischen Tugenden“. Die Problemgeschichte des Ortes wird auf den Tag von Potsdam reduziert, ein Ereignis, durch das – so heißt es – die Kirche missbraucht worden sei. Mit einer solch idealisierenden Geschichtsschreibung und der ungebrochenen Originalrekonstruktion des Baus, die zudem gar nicht hinreichend Platz für politische Bildung bietet, kann dieser wichtige Erinnerungsort aber nicht zum Lernort werden.
Daher greifen wir die Frage auf: Wie kann der Ort der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam zu einem Lernort deutscher Geschichte werden? Welche Inhalte sind hierbei relevant? Was wissen wir schon über die Geschichte des Ortes und was gilt es noch zu erforschen? Diesen Fragen widmen wir uns zunächst mit dieser Website, „Lernort Garnisonkirche Potsdam“, um das für den zukünftigen Lernort nötige Wissen zusammenzustellen und zu generieren.
Der Lernost Garnisonkirche ist Netzwerkpartner der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD).
Die Plattform www.lernort-Garnisonkirche will über die Geschichte des Ortes der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam aufklären und eine vertiefte Forschung initiieren. Sie möchte über die oft verschwiegenen und verdrängten Dimensionen dieser Kirche informieren. Hierfür gilt es zum einen, bereits vorhandenes historisches Wissen zu vermitteln und für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zum anderen sollen schrittweise auch die bislang noch bestehenden Wissenslücken erforscht werden.
Inhalte sind vor allem die Geschichte der historischen Garnisonkirche von 1730 – 1968, die Geschichte der Heilig-Kreuz-Gemeinde von 1949 bis heute, die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums von 1971 bis heute und die Geschichte des Rekonstruktionsprojektes seit 1984. Aber auch die wesentlichen Diskurse, die zum Kontext des umstrittenen Projektes gehören, wie die Rekonstruktion, die historische Rolle der Hohenzollern, das Verhältnis der Kirche zu Militär und Rechtsradikalismus in der Geschichte, der Friedens- und Versöhnungsgedanke, die Gefährdung der Demokratie und weitere Themen sollen nach Möglichkeit behandelt werden.